Bericht vom November 2020

 

Liebe Freundinnnen und Freunde,

 

in diesem Herbst war es wegen der Corona-Pandemie und aufgrund von Sicherheitsbedenken leider nicht mög-lich, nach Afghanistan zu reisen. Zum Glück haben wir zuverlässige Partner in Afghanistan: VUSAF, unsere Vertretung als „foreign NGO“, und OASE, „Organisation of Afghan Support for Education“ (2018 von ehemaligen VUSAF-Mitarbeitern als nationale NGO gegründet). Wir fühlen uns sehr gut informiert: Die Teams schicken zweimal im Monat Berichte über den Fortgang der Projekte, und wir haben regelmäßig Videokonferenzen.

 

Wir sind sehr froh darüber, dass sie in Kabul, Mazar-e-Sharif und Andkhoi trotz der schwierigen Situation so viel erreichen konnten und mit großem Engagement neue Projekte initiieren und erfolgreich durchführen. 

 

Der Unterricht an unserem Ausbildungszentrum und den beiden Frauenzentren war von März

bis Mitte August nur eingeschränkt möglich.

 

Glücklicherweise waren die Baumaßnahmen von den Corona-Einschränkungen nicht be-troffen. Alle im vergangenen Jahr begonnenen Schulgebäude wurden fertiggestellt, einge-richtet und den Schulbehörden übergeben.  


 

Mir Ahmad Niazi, der Landesdirektor von OASE, berichtet aus Mazar-e-Sharif:

 

„Noch vor dem Lockdown hatten wir Lehrerfortbildungs-Workshops für Biologie, Chemie, Physik und Mathematik organisiert; einer fand im Februar in Aibak (Provinz Samangan) mit 61 Teilnehmer*innen statt und ein weiterer im März mit 84 Teilnehmer*innen aus 10 Oberschulen in Mazar-e-Sharif. Monatliche Treffen in den Schulen zum Aufbau eines Netzwerks zwischen den Kollegien konnten in der Zeit des Lockdowns nicht stattfinden.

 

Als absehbar wurde, dass die Schulen im Herbst öffnen, fanden auch diese Treffen ab August wieder statt. Jetzt konnten wir Workshops zum Thema Schulmanagement für Schulleiter*innen von vier Sekundarschulen und von zehn Oberschulen organisieren. Im vergangenen Jahr hatten die Teilnehmer*innen moderne Managementinstrumente kennenge-lernt, die sie nun gemeinsam mit dem Lehrerkollegium ihrer Schule anwenden sollen, um einen Schulentwicklungsplan zu erarbeiten. Viele Schulen sind mit großem Engagement dabei. 

 

In der Zeit des Lockdowns hielten die Lehrer und Lehrerinnen unserer neun Computerkurse über WhatsApp-Gruppen Kontakt mit ihren Schüler*innen. Einige Male trafen sie sich in kleinen Gruppen, um Unterrichtsmaterialien zu übergeben. Mit Beginn des Unterrichts in der Oberstufe seit Mitte August laufen die Computerkurse wieder normal.

 

Wir konnten zwei Erweiterungsbauten mit jeweils vier großen Räumen und vier Gebäude mit jeweils zwei Räumen für Büchereien und Schullaboratorien fertig stellen. An neun Schulen wurden Solarsysteme installiert, um Wasser aus Tiefbrunnen zu pumpen und z.B. die Gärten besser zu bewässern.  

 

 

Im Mai / Juni versorgten wir 200 äußerst bedürftige Familien mit Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern.“

 

 

Sayed Asef Saadat, der Landesdirektor von VUSAF berichtet aus Andkhoi:

 

„Die Situation in den vier Distrikten um Andkhoi war in den letzten sechs Monaten dramatisch. Regierungstruppen kämpften gegen die Taliban, die seit August 2019 die Bezirke Qaramqul und Qurghan unter ihrer Kontrolle hatten. Viele Familien flüchteten nach Andkhoi. Covid-19 und Quarantänemaßnahmen, steigende Preise, hohe Arbeitslosigkeit und Schulschließungen trafen uns zur gleichen Zeit und machten das Leben sehr schwer. Nun aber verbessert sich unsere Lage: Qaramqul und Qurghan sind wieder unter Kontrolle der örtlichen Regierung, und die Vertriebenen kehren zurück. An das Corona-Virus denkt kaum noch jemand. Viele Menschen haben die Krankheit durchgemacht, manche sind gestorben. Aber wir alle sind auf die tägliche Arbeit angewiesen, um unsere Familien zu ernähren. Dank Ihrer Spenden konnten wir rund 450 Familien mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln versorgen. Rund 4000 € hatten unsere Angestellten über die Jahre aus ihrem Gehalt in einen Sozialhilfefonds eingezahlt. Wir entschieden, das Geld jetzt an die ärmsten Familien zu verteilen – und waren sehr glücklich mit dieser Entscheidung.

 

Im Ausbildungszentrum in Andkhoi (EC) liefen alle Kurse und Veranstaltungen Mitte August wieder an. Während des Sommers blieb die Bücherei für Einzelpersonen und Kleinstgruppen geöffnet. Die Lehrkräfte hielten per WhatsApp Kontakt mit ihren Schüler*innen. In Zusammenarbeit mit den örtlichen TV Anbietern haben wir unseren Unterricht im Fernsehen übertragen. Das wurde von der Bevölkerung sehr geschätzt. Wir konnten viel mehr Personen erreichen als nur unsere eigenen Schüler*innen. Nun kommen die Schülerinnen und Schüler mit großem Interesse wieder ins Ausbildungszentrum, auch wenn sie hier Masken tragen und die Hygienevorschriften beachten müssen. Der Hunger auf Wissen ist gewaltig. Es gibt noch sehr viele Schüler*innen, die gern kommen würden, aber alle Kurse sind voll.

 

 

Die Aufnahmeprüfung für die Universitäten fand in der Provinz Faryab noch während des Lockdowns statt. Von 892 Teilnehmer*innen aus den vier Distrikten bestanden 377 die Prüfung, 100 von ihnen waren aus unserem EC-Vorbereitungskurs. Wir sind stolz darauf, dass auf Provinzebene drei unserer Schüler*innen die höchsten Punktzahlen erreichten. Sayeed Sarem wurde Erster, Azizullah erreichte Platz drei, und Enjila wurde die Beste der Schülerinnen in der Provinz Faryab!

 

In diesem Sommer konnten wir gemeinsam mit den Schulgremien drei zusätzliche Räume für die Moh. Yosuf Middle School bauen. Eine Bibliothek für die Arab Shah-Mädchen-Oberschule ist im Bau. Bei beiden Projekten arbeiten wir mit dem Schulentwicklungsrat zusammen, der z.B. Geld in der Gemeinde sammelte, um das Dach in besserer Qualität aufzubauen.

 

Außerdem wurden 300 Schulmöbel (Tisch und Bank á 30€) getischlert und an vier Schulen übergeben. Der Bedarf ist angesichts der großen Schülerzahl noch lange nicht gedeckt.

 

 

Und nun noch eine Bitte: Die Schulgebäude der Sadullah Shaheed Jungenoberschule im Distrikt Qaramqul und der Mir Said Baraka Mädchenoberschule im Distrikt Qurghan haben wir vor vielen Jahren in einfacher Qualität errichtet. Beide müssen jetzt dringend saniert werden. Der Staat hat in absehbarer Zeit kein Geld dafür. Wir hoffen sehr, dass Spenden in Deutschland gesammelt werden können, um diese Schulgebäude zu erhalten!“

 

Auch die Frauenprojekte laufen wieder wie gewohnt. Während des Lockdowns hatten sich in den beiden Frauenzentren in Andkhoi und Khancharbagh immer wieder kleine Gruppen getroffen. Besucherinnen waren nach Anmeldung willkommen.

 

Farkhunda, die Frauenprojekt-Assistentin, und Mitglieder ihres Teams berichten:

 

„Alle Kurse im WCA laufen gut. Auch ins Fitnessstudio kommen wieder viele Frauen, um unter Anleitung von Mobina zu trainieren. Während des Lockdowns konnte Mobina nur in kleinen Gruppen und teils zu Hause mit ihnen arbeiten. Jetzt tut sie ihr Bestes, um neue effektive Fitnessübungen einzuführen.

 

Vor kurzem haben wir mit unserem dritten Näh- und Alphabetisierungskurs in Quzaymaq Khana begonnen. Es ist schön, dass eine weitere Gruppe von 12 jungen Frauen von unseren Kursen profitiert. Sie sind froh über die Chance, Nähen, Sticken, Rechnen und Lesen und Schreiben in Dari zu lernen. Sie lernen an vier Tagen in ihrer Nähstube im Dorf, und an zwei Tagen im Frauenzentrum in Andkhoi. Hier in der Stadt können sie mit anderen Frauen ins Gespräch kommen und an Vorträgen teilnehmen.“

 

Zakira, die Alphabetisierungslehrerin, schreibt: „Die Schülerinnen der Gruppe sind sehr interessiert und genießen die Abwechslung: Arbeiten in Gruppen oder zu zweit, Schreibaufgaben, Sprechen in Dari (zuhause sprechen sie Usbekisch) und Rollenspiele. Unsere Gesundheitserziehung ist lebenswichtig. Ihr neues Wissen z.B. über Vitamin C, Hygiene und die Umwelt hat positive Auswirkungen in ihrem alltäglichen Verhalten. Das tut den Frauen und ihren Familien gut.“

 

Farkhunda berichtet weiter: „Die Schülerinnen des wegen der Taliban seit August 2019 geschlossenen Frauenzentrums in Baghebustan (WCB) bedrängten uns mit Besuchen und Anrufen mit dem dringenden Wunsch, den Unterricht fortzusetzen. Das freut und bewegt uns alle sehr. Die Atmosphäre im Frauenzentrum Andkhoi war durch die Anwesenheit der WCB-Schülerinnen und den Austausch mit ihnen bunter geworden. Aber sind wir glücklich, dass das WCB  dank der verbesserten Sicherheitslage wieder eröffnet werden konnte.

 

 

Unter der Leitung des Generaldirektors von VUSAF, Zabiullah Azizi, fand gerade ein Workshop mit allen leitenden Mitarbeitenden in Mazar statt. Einige waren neu dabei. Deshalb waren capacity building und team building die Hauptziele.

 

Sie versicherten sich noch einmal, dass sie gemeinsam intensiv daran arbeiten werden, der Jugend eine bessere Ausbildung und damit Hoffnung auf einen friedlichen Aufbau Afghanistans zu geben.

 

Dazu brauchen sie weiter Ihre Hilfe! Jeder Euro kann dazu beitragen!

 

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Wenn Sie für Menschen in Not spenden möchten, damit wir ihnen Lebensmittel zum Überleben während der harten Wintermonate geben können, spenden Sie bitte mit dem Kennwort "Nothilfe". Vielen Dank. Geplant ist eine Verteilung von 50 kg Mehl, 14 kg Reis, 5 kg Pasta, 5 kg Bohnen, 5 l Speiseöl, Tomatenpuree, Zucker und Tee im Wert von EUR 60. Dies reicht für eine Familie von 5 bis 7 Personen ca. einen Monat.

 

 

 

 

 

 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info(at)Afghanistan-Schulen.de