November 2021

 

NEUIGKEITEN VON UNSEREN PROJEKTEN IN AFGHANISTAN

 

Liebe Freunde und Freundinnen von Afghanistan-Schulen,

 

uns erreichen zurzeit viele Anfragen: Was passiert jetzt mit Ihrer Arbeit dort? Wie möchten Sie fortfahren, und was macht man für die Mädchen, die jetzt nicht mehr in der Schule dürfen? Können Sie unter den geänderten Umständen in Afghanistan noch arbeiten? Macht es Sinn, Ihnen unter diesen neuen geänderten Umständen noch Geld zu überweisen? Können Sie mit dem Geld dort noch etwas Sinnvolles machen?

 

Wir hatten im Oktober eine Information verfasst, sie an unsere Mitglieder verschickt. Seither hat sich bereits einiges geändert; deshalb kommen nun aktuelle Informationen von uns.

 

Unsere Arbeit läuft nicht mehr genauso wie vor der Machtübernahme der Taliban (in Andkhoi Ende Juni, in Mazar-e-Sharif und Kabul Mitte August). Wir hatten in den vergangenen Jahren zwei gut funktionierende Organisationen aufgebaut, die von kompetenten Mitarbeitenden geführt wurden: VUSAF – Union of Assistance for Schools in Afghanistan ist unsere Vertretung und OASE Organization of Afghan Support for Education, gegründet ehemaligen VUSAF-Mitarbeitern. Die Zusammenarbeit mit den Schulämtern und den Schulen lief sehr gut. Wir waren auf einem guten Weg und konnten effektive Hilfe leisten. Nun müssen wir uns neu orientieren. Unter den Taliban fühlen sich einige unserer Mitarbeitenden gefährdet und wollen bzw. haben schon Afghanistan verlassen. Ihnen gelang es aber, vorher noch neue Kräfte zu gewinnen und einzuarbeiten. Sie werden die Arbeit fortsetzen und sind - dank unserer Bildungsprojekte der vergangenen mehr als 20 Jahre - auch gut ausgebildet.

 

 

In Mazar-e-Sharif (Provinz Balkh) waren die Schulen - auch für Mädchen ab Klasse 7 - immer geöffnet, aber insgesamt hat sich das Leben verändert. Uns wurde gesagt, es scheine, als ob nur noch die Hälfte der Menschen auf den Straßen sei. So ist es auch an den Schulen. Einige Familien sind geflüchtet, andere halten ihre Kinder aus Sicherheitsgründen zuhause. Vieles läuft aber auch wieder wie früher. Wir erhalten Berichte und Bilder von normalen Aktivitäten z.B. im Schullabor oder bei der Aufnahmeprüfung für unsere neuen Computerkurse. Unsere Kollegen berichten erfreut über die Abschlussfeier für die Nähschülerinnen in Mazar und die Übergabe der Zertifikate und der Nähmaschinen, mit denen die Frauen nun eigenes Geld verdienen können. Die kleine Schule, die wir mit Spenden im Flüchtlingslager Ferdawsi am Stadtrand von Mazar-e-Sharif gebaut haben, wird von über 200 Jungen und Mädchen der Klassen 1-3 besucht; etwas Normalität in einer schwierigen Gegend. Im Bild sehen Sie die Kinder beim Spielen. 

 

 

Am 30. Oktober 2021 wurden in Andkhoi (und insgesamt in der Provinz Faryab) die Schulen für ältere Mädchen ab Klasse 7 wieder geöffnet. An unserem Ausbildungszentrum sind die Förderkurse zur Vorbereitung auf einen Universitätsbesuch wieder angelaufen; die Wiedereröffnung der drei Frauenzentren ist in Vorbereitung. Die Mitarbeiterinnen haben sich bereits getroffen und Pläne gemacht. Während der Schließung liefen alle Kurse für die Analphabetinnen in Privathäusern weiter. Sie lernten Lesen und Schreiben in Dari und Rechnen, um ihre Einkünfte festhalten zu können, Nähen und Sticken für ihre Familien und andere. Auch sportliche Übungen wurden gemeinsam gemacht, und der Englisch- und Computerunterricht wurde in Privathäusern organisiert. Viele der jungen Frauen müssen aber auch wieder Teppiche knüpfen. Obwohl es kaum einen Markt für handgeknüpfte afghanische Teppiche gibt, sind sie gezwungen, viele Stunden auf dem Knüpfrahmen zu hocken und zu arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. 

 

 

Eine Anordnung der Taliban bereitet uns und den Schulen Probleme: Die Taliban bestehen auf Geschlechtertrennung. In der Stadt gibt es aber nicht genug qualifizierte Lehrer und in den Dörfern nicht genug Lehrerinnen (während der Ferien haben Studenten und Studentinnen ehrenamtlich unterrichtet). Auch wir müssen für unsere Kurse am Ausbildungszentrum neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einstellen und die Unterrichtspläne anpassen. Das ist mühsam, aber machbar. Außerdem ist es nun erforderlich, dass wir Schulungen für Männer und Frauen getrennt anbieten. Es sind Hygieneschulungen und Lehrerfortbildungen geplant. Wegen der Corona-Pandemie und der Machtübernahme durch die Taliban ist es nötig, die Laufzeit der Kurse zu verlängern. Dies wird zu höheren Kosten führen. 

 

Die Lehrer und Lehrerinnen der staatlichen Schulen hatten wie alle Staatsangestellten in der Region Andkhoi seit Machtübernahme der Taliban drei Monate lang kein Gehalt erhalten (inzwischen wurde ein Gehalt gezahlt). Dank Ihrer großartigen Unterstützung war es uns möglich, allen 1664 Angestellten 4000 AFN (rund EUR 40) zu zahlen. Es war eine große Erleichterung für die Männer und Frauen, wieder etwas Geld in den Händen zu haben. Einige zahlten Geld zurück, das sie sich in der Not geliehen hatten, andere kauften sich die dringend nötigen Medikamente und natürlich Lebensmittel. In den kommenden Wochen möchten wir andere Not leidende Familien unterstützen, auch die, denen wir in den vergangenen Wintern geholfen hatten. Allerdings werden wir in diesem Winter keine Lebensmittel, sondern Bargeld verteilen – so kann die Verteilung etwas unauffälliger erfolgen.

 

Die ersten beiden Fragen vom Anfang des Briefes haben wir nun beantwortet. Und, ja, wir können unter den geänderten Umständen arbeiten, und, ja, es macht Sinn, uns Geld zu überweisen. Wir meinen, dass wir Ihre Spenden sinnvoll verwenden können und hoffen, dass Sie uns zustimmen. Herzlichen Dank.

 

PS: In diesen schweren Zeiten ist unsere Arbeit wichtiger denn je. Wir schaffen Arbeitsplätze (z.B. durch die Herstellung von Schulmöbeln und Heizöfen für die Schulen im kommenden Winter). Viele unserer Angestellten, die ihr Gehalt immer weiterbekommen haben, ernähren eine Großfamilie. 

 

Spendenkonto: Afghanistan-Schulen e.V.

Bank: EthikBank

IBAN DE71 8309 4495 0103 0410 50 (GENODEF1ETK)

 

 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info(at)Afghanistan-Schulen.de