Oktober 021

 

NEUIGKEITEN VON UNSEREN PROJEKTEN IN AFGHANISTAN

 

Anfang August war schon klar, dass die Taliban Anspruch erheben würden, an einer zukünftigen Regierung beteiligt zu werden. Aber dass sie ihr Schreckensregime aus den 1990iger Jahren wiederaufleben lassen, konnten wir uns nicht vorstellen. Für die Menschen in diesem Land, die seit 40 Jahren mit Krieg, Anschlägen, Dürrezeiten und anderen Katastrophen leben, hat nun erneut eine Diktatur durch die Taliban begonnen. 20 Jahre lang konnten immer mehr Mädchen zur Schule gehen. Die junge Generation konnte lernen, ein Studium aufnehmen und mit etwas Glück eine gute Anstellung finden, auch in der Politik und in den freien Medien. Afghanistan blieb ein armes Land, aber trotz der vielen Bedrohungen, insbesondere durch die Taliban, haben die Menschen auf eine bessere Zukunft gehofft und darauf hingearbeitet. 

 

 

 

 

Bei aller Trauer und Wut, für uns gilt: Wir wollen und werden unsere Projekte, die vor Ort hoch angesehen sind, so gut wie irgend möglich weiterführen. Unser Landesdirektor in Andkhoi hat von den lokalen Taliban in Andkhoi eine schriftliche Erlaubnis erhalten, dass Mädchen wie Jungen weiter zur Schule gehen können und auch die Frauen die Kurse im Ausbildungszentrum und in den drei Frauenzentren wieder besuchen dürfen. Nur die älteren Mädchen ab Klasse 7 müssten von Lehrerinnen und die Jungen von männlichen Kollegen unterrichtet werden. Jetzt warten sie darauf, dass die Führung in Kabul eine Entscheidung trifft. Im Moment sind die Schulen der Klassen 1 bis 6 für alle Kinder geöffnet, während bis zur 12. Klasse nur die Jungen unterrichtet werden dürfen. Erst wenn dieses Recht auch den Mädchen zugestanden wird, wollen wir unser Ausbildungszentrum für alle wieder öffnen. Für weiter entfernt lebende Mädchen planen wir einen Transport mit Rikschas. Bis dahin treffen sich Schüler:innen mit ihren Lehrer:innen in der Bücherei, im Büro oder Zuhause; sie haben Lehrmaterial erhalten und halten Kontakt per WhatsApp. Unsere drei Frauenzentren in der Region Andkhoi sind noch geschlossen. Viele Teilnehmerinnen der Englisch-, Computer- und Nähkurse treffen sich im Privathaus einer Lehrerin.

 

 

 

Sie machen sich gegenseitig Mut, diese schwere Zeit durchzuhalten. Die Aussicht darauf, dass die Zentren bald wieder öffnen, gibt ihnen Hoffnung. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die von den Taliban geforderte Geschlechtertrennung ist leicht zu organisieren. Es war ohnehin selten, dass hier Männer zu Besuch kamen. 

 

 

In Mazar-e-Sharif sieht es etwas anders aus. Hier hatte die Schulbehörde früh entschieden, dass die Schulen für alle Mädchen geöffnet bleiben, und so ist es auch geblieben. Allerdings sind die Menschen verunsichert. Viele sind auf der Flucht. Im Vergleich zur Zeit vor der Machtübernahme traut sich nur rund die Hälfte der Menschen auf die Straße und erlaubt ihren Kindern einen Schulbesuch. Unsere eigene Schule Ferdawsi im Lager für Binnenvertriebene läuft ohne Probleme; die 211 Jungen und Mädchen der Klassen 1 bis 3 werden von sechs Lehrerinnen unterrichtet. Die kleine Nähstube in Mazar (ein Projekt zusammen mit Hope for Children) durfte wieder öffnen. Wir hoffen immer noch, dass dies möglich sein wird.

 

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Die Mitarbeiter:innen in unseren Projekten (150 Personen) erhalten ihr Gehalt weiter. Einige von ihnen sehen sich aber durch ihr bisheriges Engagement in großer Gefahr. Sie warten auf eine Chance zur Flucht und halten sich versteckt. Neue Kräfte, die nicht vorbelastet sind, werden eingearbeitet.

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Mit Ihrer Unterstützung entstand im vergangenen Jahr dieses Gebäude in Mazar-e-Sharif, das schon genutzt wird. Die Bauarbeiten für zwei weitere Gebäude mussten für eine Weile eingestellt werden, da die Bauunternehmen kein Geld mehr hatten, um die Zulieferer und Bauarbeiter zu bezahlen. Die Banken funktionieren nicht mehr richtig. Zurzeit werden nur kleine Beträge pro Woche ausgezahlt.

 

 

 

 

 

Die ohnehin kränkelnde Wirtschaft ist mit der Machtübernahme der Taliban zusammengebrochen. Tagelöhner finden keine Arbeit mehr. Die Staatsangestellten haben seit Juli kein Gehalt erhalten. Die Versorgungslage ist absolut dramatisch. Die Menschen wissen nicht, wovon sie ihre Familien ernähren sollen. Wir wurden gebeten, die Lehrer und Lehrerinnen der staatlichen Schulen in der Region Andkhoi zu unterstützen. Dank Ihrer Hilfe konnten wir den 1.664 Staatsangestellten einen Betrag von je 4000 AFN auszahlen - insgesamt EUR 68.200 wurden hierfür benötigt.

 

 

 

 

 

Endlich gab es für die Familien eine etwas bessere Mahlzeit als nur Brot und Tee. Dringend benötigte Medikamente konnten gekauft werden. Viele Lehrer versuchen, neben ihrer Lehrtätigkeit mit schwerer körperlicher Arbeit wenigstens etwas Geld zu verdienen, aber das ist nie genug zum Sattwerden. Unsere Mitarbeitenden waren sehr erleichtert, den Kolleginnen und Kollegen diese Unterstützung gewähren zu können. Wir erhielten bewegende Berichte, wie froh die Menschen über diese Hilfe in der Not waren.

 

 

 

Die staatlichen Lehrer:innen bekommen weiterhin kein Gehalt, und wir möchten ihnen unbedingt zum Winter hin einen weiteren Betrag zahlen. Aber auch anderen Not leidenden Familien wollen wir helfen, wenn es uns finanziell möglich ist. Die große Hilfsbedürftigkeit, die wir bei unseren Verteilungen im letzten Winter sahen, wird zunehmen und das Leben der Schwächsten bedrohen.

 

 

 

 

Spendenkonto:
Kontoinhaber: Afghanistan-Schulen

Bank: EthikBank

IBAN: DE71 8309 4495 0103 0410 50

 

 

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Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info(at)Afghanistan-Schulen.de