Projektbericht

Oktober 2019

     

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Am 8.September, kurz vor ihrem 95. Geburtstag, starb Ulla Nölle, die Gründerin unseres Vereins. Bis zum Schluss hat sie sich für alle Informationen aus Afghanistan interessiert. Sicher hätte sie auch gern diese kurzen Berichte von unseren Projektleitern und –leiterinnen gelesen. Wir alle vermissen sie sehr.

   

Zabiullah Azizi, Generaldirektor von VUSAF

 

Nun ist die Präsidentschaftswahl vorüber; eine große Sorge weniger. Vor der Wahl waren viele der Meinung gewesen, sie würde gar nicht stattfinden. Die Taliban und andere terroristische Gruppen würden verhindern, dass die Menschen ihre Häuser verlassen, um zur Wahl zu gehen. Aber die mutigen Afghaninnen und Afghanen haben den Feinden gezeigt, dass sie keinen Krieg wollen und dass sie Demokratie wünschen. Obwohl wir schon sehr lange auf die Bekanntgabe der Wahlergebnisse warten, und es scheint, als ob es noch länger dauern wird, bis alle Wahlzettel ausgezählt sind.


Was auch immer das Ergebnis sein mag, unser Land möchte nur eines, und das ist Frieden. Wir sind immer noch hoffnungsvoll.

 

Wir vom VUSAF-Team geben unser Bestes. Unsere Projekte laufen sehr gut. Allerdings ist ein Frauenprojekt von den Kämpfen zwischen den Taliban und der Regierung betroffen. Dies zeigt, dass niemand – weder unsere Regierung noch die internationale Gemeinschaft - den Krieg gegen die Taliban gewonnen haben. Wir müssen weiter kämpfen.

 

Regelmäßig treffe ich mich alle zwei Monate mit allen unseren Verantwortlichen um die Projekte zu besprechen - obwohl das Reisen gefährlicher geworden ist. Manchmal werden unsere Kollegen unterwegs durch Kampfhandlungen an der Weiterfahrt gehindert. Aber wir sind überzeugt, das Richtige zu tun und wissen, dass unsere Projekte den Menschen hier Hoffnung geben. Außerdem geben wir vielen Menschen Arbeit – direkt oder indirekt.

 

Zurzeit werden unsere Organisation und unsere Ausbildungsprojekte von einer unabhängigen Gutachterin evaluiert. Das ist eine neue Erfahrung für uns. Wir akzeptieren diesen Evaluierungsprozess als Lernmöglichkeit, um unsere Schwächen herauszufinden und arbeiten daran, unsere Arbeit zu verbessern. Natürlich wollen wir unsere Kraft und unsere Fähigkeiten bestmöglich einsetzen, um unseren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

 

  

Mir Ahmad Niazi

 

Es gibt immer noch viele Probleme in Afghanistan. Die Schulen haben Probleme mit dem Management, es gibt nicht genug Lehrkräfte und viele Lehrer und Lehrerinnen sind nicht gut genug ausgebildet. Es fehlen Klassenräume oder sogar Schulgebäude und leider häufig auch Lehrmaterial. Die afghanische Regierung schafft es nicht, für unsere Sicherheit zu sorgen oder die Probleme im Bildungssektor zu lösen. Die NGOs sind also die einzige Hoffnung für das afghanische Volk. Die fehlende Bildung weiter Teile der Bevölkerung ist die Wurzel unserer Probleme. Wenn ihnen Bildungschancen eröffnet werden, werden sich auch die anderen Probleme lösen lassen.

 

Trotz der Sicherheitsprobleme laufen alle unsere Aktivitäten in Mazar normal.

Vor kurzem haben wir ein neues Projekt gestartet: Kapazitätsaufbau für 10

Schulen. Das ist etwas völlig Neues für Mazar-Schulen. Das Projekt umfasst Seminare für Schulleitungsteams, Schulungen für Lehrkräfte der Mathematik

und der Naturwissenschaften, eine Stärkung der Elternvertretungen und die

Zusammenarbeit mit Schülervertretungen. Einige Schulen erhalten zusätzliche Räume und Lehrmaterialien. Außerdem bauen wir Computerwerkstätten auf und bilden die Lehrkräfte der Schulen aus, damit die Computerkurse auch nach Ende unseres Projektes fortbestehen können.

 

Wir treffen uns regelmäßig mit den Schulleitungen sowie den Eltern- und Schülervertretungen. Wir haben die Hausmeister der Schulen so ausgebildet, dass sie kleinere Reparaturen an den Schulgebäuden selbst durchführen können.

 

Heute engagieren sich die Schüler und Schülerinnen schon in Ökologiegruppen. Kultur- und Sportveranstaltungen werden folgen. 

  

In den letzten 10 Jahren hat VUSAF 15 Schulgebäude in dieser Region errichtet. Die Arbeiten für das Gebäude mit 24 Klassenräumen für die Hazrat Noman Schule in Mazar-e-Sharif und das Schulgebäude mit 16 Klassenräumen in Aibak sind fast abgeschlossen. Die Schule in Nawabad und die Fatema Zahra Mädchenschule erhalten jeweils 4 weitere Klassenräume. Aber immer noch brauchen viele Schulen richtige Schulgebäude.

 

 

 

Sayed Asef Sadaat, Regionaldirektor Andkhoi

  

In großen Teilen der Nachbardistrikte von Andkhoi - in Qaramqul und Qurgan - haben die Taliban das Sagen. Mädchen dürfen nur bis zur 6. Klasse in die Schule gehen. Da dort immer wieder gekämpft wird, haben viele Familien ihre Dörferverlassen. Andere lassen ihre Kinder nicht aus dem Haus. Den Bauern, deren Ernte dieses Jahr gut war, nehmen die Taliban illegal Steuern ab. Positiv ist, dass die Regierung über das „Citizen Charter Program“ acht kleinere Schulen gebaut und drei große repariert hat – teils auch in den umkämpften Distrikten.

 

 

rotz der Sicherheitsprobleme laufen unsere Kurse am Ausbildungszentrum und in Schulen sehr gut und auch die meisten anderen Aktivitäten (Veranstaltungen, Versammlungen, Ehrungen, Bibliotheken usw.) wie geplant. Wir müssen sogar Familien abweisen, die ihre Kinder bei uns anmelden wollen.

 

Wir haben auch positive Veränderungen eingeführt: Für die Vorbereitungskurse zur Aufnahmeprüfung für die Universität haben wir neue Lehrer eingestellt, die viel Erfahrung mitbringen. Jede Woche werden Probeklausuren geschrieben, so dass die Schüler und Schülerinnen gut vorbereitet in die für sie wichtigste Prüfung gehen können. Außerdem werden die schwächsten SchülerInnen besonders gefördert.

 

Inzwischen bilden sich in unseren Kursen

44 Lehrer und Lehrerinnen als Praktikanten fort. Sie kommen von selbst auf uns zu, weil sie Methoden lernen möchten, wie sie ihren Unterricht besser gestalten können. Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen, und sie sind glücklich über die Chance.

  

Diesen Sommer haben wir zwei Lehrerfortbildungsseminare in Methodik für Lehrkräfte der staatlichen Schulen durchgeführt. Trotz der schlechten Sicherheitslage hatten wir dieses Jahr mehr Teilnehmer als in den Vorjahren.

 

Unsere Ökologie-Gruppen wachsen schnell. An sechs Mädchen- und fünf Jungenschulen gibt es jetzt aktive Gruppen. Sie organisieren

regelmäßig verschiedene Aktivitäten, zum Beispiel führen sie Gespräche auf dem Basar in Andkhoi, in denen sie über das Problem mit dem Plastikmüll aufklären. Diese Gespräche werden über das Kabelfernsehen in die Haushalte der Bürgerinnen und Bürger übertragen. Außerdem führen die Jugendlichen Gespräche mit dem Bezirksgouverneur, dem Bürgermeister und dem Schulrat und vielen anderen einflussreichen Personen. Vor einem Jahr haben die Menschen noch über die jungen Leute gelacht, aber jetzt erhalten sie viel Unterstützung. Inzwischen sind fast 200 Jugendliche aktiv.

 

   

Soman Sadat,

Managerin der Frauenprojekte

 

Wir sind sehr froh, dass wir trotz der Sicherheitsprobleme südlich von Andkhoi unsere Projekte gut weiterführen können. Seit Anfang August ist das Frauenzentrum in Qurghan geschlossen.

Aber die Regierung geht zurzeit aktiv gegen die Taliban vor, und wir hoffen auf gute Nachrichten.

 

Trotz unsererSorgen um die Menschen in Qurghan arbeiten wir an der Eröffnung eines dritten Frauenzentrums in Khancharbagh. Die Bauarbeiten dort geben der Bevölkerung neue Hoffnung und verstärken den Glauben daran, dass die Frauen ihre Fähigkeiten und Stärken entwickeln können. Dazu dienen die Frauenzentren. Sie verändern die Einstellungen der Frauen, die früher häufig nur zu Hause saßen und nicht zur Arbeit gehen durften.

 

Eine wichtige Rolle spielen bei dieser

Veränderung zwei unserer Projekte:

das Fitnesscenter und der Sport an den

Mädchenschulen. Täglich kommen mehr Frauen und Mädchen.

 

Im Frauenzentrum erfüllen sich auch die Träume älterer Frauen, die nie Lesen und Schreiben gelernt haben. Sie sind unglaublich stolz auf das Gelernte.

  

In den Homeschools lernen die Mädchen, die wegen großer Entfernung zu einer Schule noch nicht am regulären Unterricht teilnehmen konnten. Einige von ihnen besuchen eine reguläre Schule, sobald sie die Wege dorthin schaffen können.

 

Unsere Nähkurse bieten die beste Möglichkeit für die Frauen aus dem Haus zu kommen und etwas zu lernen, um später ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Im Frauenzentrum können sie Kleidung bestellen oder Kleinigkeiten einkaufen. Zumindest können sie sich hier vom Alltag ausruhen und Kraft schöpfen. Nach ihrem Abschluss können sie zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen und ein besseres Leben führen. Viele von ihnen möchten das, was sie gelernt haben, weitergeben und haben kleine Kooperativen gegründet.

 

Zu den monatlichen Informationsveran-staltungen kommen bis zu 100 Frauen aus vielen Dörfern in den umliegenden Bezirken. Dort diskutieren sie über verschiedene soziale Themen wie Sicherheit, Bildung, Menschenrechte, Diskriminierung oder auch Umwelt. Die Teilnehmerinnen sind sehr interessiert und zufrieden. Mit unseren Frauenprojekten führen wir die Frauen „aus dem Dunkel zum Licht“. Sie sehen die Welt mit anderen Augen.

 

 

 

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