Marga Flader und Tanja Khorrami
berichten von ihrer Reise 

im Oktober 2017

 

 

Tahmina, eine Studentin der Juristischen Fakultät in Mazar, erzählt uns von ihrem ersten Vortrag im Seminar: „Ich war ein bisschen aufgeregt, aber dann lief es problemlos. Die Mitstudierenden waren beeindruckt: Wo hast du denn gelernt, so selbstbewusst aufzutreten? In Andkhoi, im Ausbildungszentrum!

Sie konnten kaum glauben, dass in so einer abgelegenen kleinen Stadt in der Steppe so eine Ausbildung möglich ist!“ Tahmina war sehr stolz – und wir auch, insbesondere auf unsere guten Lehrer dort.

Tatsächlich studieren immer mehr junge Leute aus Andkhoi nun an verschiedenen Universitäten im ganzen Land. Besonders für Mädchen ist das ein schwerer Kampf. Wenn sie nicht bei Verwandten leben können, müssen sie im Wohnheim übernachten. Kost und Logis sind frei – aber was für ein Logis? 25 Mädchen in einem Raum, Schlafmatten auf dem Fußboden, dicht an dicht! Trotz dieser Bedingungen bleiben sie bei ihrem Ziel, Ärztinnen, Rechtsanwältinnen, Journalistinnen oder Ingenieurinnen zu werden.

 

Ihre Vorbilder: In einem Nachbarbezirk von Andkhoi ist gerade eine Frau Gouverneurin geworden. Andere Frauen sind Abge-ordnete im Regionalparlament oder in Kabul. Es gibt gute Journalistinnen, die an den vielen frei agierenden Sendern arbeiten. Frauenrechte sind ein ständiges Thema geworden, nicht nur bei den Studentinnen. 

 

Bei einer großen Veranstaltung zum Lehrertag im Jungengymnasium Abu Muslim in Andkhoi traten zwei Ansagerinnen, mehrere Sängerinnengruppen und Dar-stellerinnen eines kritischen Rollenspiels auf – zur großen Begeisterung des Publikums, das allerdings überwiegend männlich war. Betont wurde auch hier, dass die Bildung das sicherste Bollwerk gegen Einflüsse der Taliban oder des IS ist. 

 

Die jungen Frauen in unseren beiden Frauenzentren sind hier tagsüber in einem für sie sehr glücklichen Umfeld. Sie können über ihre Probleme offen sprechen, lernen einander kennen und eine gemeinsame Sprache sprechen, Dari statt Usbekisch oder Turkmenisch. Mit großer Begeisterung lernen sie Lesen und Schreiben, einfaches Rechnen, Nähen, Stricken und Sticken auch mit elektrischen Maschinen. Sie kommen zu Vorlesungen zu verschiedenen Themen zusammen: Gesundheit, Ernährung, Umwelt und gute und schlechte Traditionen. Sie machen Musik, tanzen und lachen gemeinsam.

 

Im Fitness-Center im 1. Stock des Andkhoier Frauenzentrums trainiert Mobina, eine ehemalige Schülerin eines unserer Nähkurse, die jungen und alten, dicken oder dünnen Frauen – und alle haben Spaß! Traditionen, wie die, dass die Frauen im Hause bleiben, werden so langsam aufgebrochen. Der Kampf gegen schlechte Traditionen, wie die arrangierte Zwangsheirat, beschäftigt und belastet noch viele junge Frauen. Ein weiter Weg ist zurückzulegen, aber in den Köpfen der Frauen und auch vieler Männer hat ein Umdenken begonnen.

  

Ebenso beim Thema Umweltschutz. Der Müll an den Straßen ist unübersehbar. Die Ökologiegruppe am Ausbildungszentrum in Andkhoi hat es nicht leicht, die Menschen über die Schäden z.B. von Plastik aufzuklären. Stofftaschen haben sie mit ihrem Logo bedruckt, Poster in der Stadt aufgehängt, für Mülleimer auf den Schulhöfen gesorgt und eine große Veranstaltung zum Klimawandel und Umweltverschmutzung auf die Beine gestellt. 

 

 

Auf unserer Reise konnten wir wieder einmal eine kleine Dorfschule einweihen, eine andere wurde aufgestockt. Überall wachsen die Schülerzahlen und den Menschen ist bewusst, dass es sich in einem vernünftigen Bau auf richtigen Schulmöbeln besser lernen lässt als in ehemaligen düsteren Wohnräumen, in denen der Wüstenwind durch Tür und Fenster fegt.

 

In den Städten lernen immer noch viele Jugendliche in Zelten – eiskalt im Winter, heiß im Sommer – oder in Behelfsbauten. In Mazar konnten wir die mittlerweile 11. große Schule der Nutzung übergeben. Weitere sind im Bau und eine Grundsteinlegung wurde festlich begangen. Schulbauten sind auch weiterhin sehr wichtig. Zwei zukünftige Projekte besichtigten wir am Rande von Mazar und in der südöstlich von Mazar gelegenen Provinz Samangan.

 

Noch wichtiger aber ist uns die Lehrerfortbildung, an der es im ländlichen Raum ganz besonders in den naturwissen-schaftlichen Fächern fehlt. In all unseren Kursen am Ausbildungszentrum Andkhoi und an einzelnen Schulen trafen wir Assistent/innen, die sich sehr glücklich über die Möglichkeit dieser Art der Fortbildung zeigten. Sie treten jetzt in ihren eigenen Klassen viel sicherer auf.

 

All das kostet viel Geld. Die Lehrerinnen in den Home Schools (Unterricht im Privathaus) und die Extrakurse an den Schulen müssen wir allein aus Ihren Spendengeldern bezahlen, ebenso wie einen Teil der Schulmöbel. Aber es lohnt sich! Wer heute in Afghanistan eine gute Ausbildung hat, der will trotz aller Widerstände (Jobmangel, Korruption und Sicherheitsproblemen) sein Land in eine friedliche Zukunft führen.

 

Bitte unterstützen Sie uns in unseren Bemühungen! Ein Tisch und eine Bank für 2 bis 3 Schüler kosten 85 €, eine Lehrkraft in einem Zusatzkurs bekommt 130 € im Monat, eine Home School-Lehrerin 200 €. Jeder Euro hilft!

 

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Beste Grüße

Marga Flader und Tanja Khorrami

 

Spendenkonten: Afghanistan-Schulen e.V. 

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