Marga Flader

und Tanja Khorrami

berichten von ihrer

Projektreise

im März/April 2019

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Unsere Frühjahrsreise in diesem Jahr war zum ersten Mal ernsthaft betroffen von den Aktivitäten der Taliban in den Distrikten südlich von Andkhoi. Sie hatten seit dem Dezember 2018 einige Polizeiposten überrannt und versuchen, dort ihre eigenen Regeln durchzusetzen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere afghanischen Projektpartner rieten uns dringend von der Fahrt über die zurzeit unsichere Straße dorthin ab. Das war für uns eine traurige Nachricht, aber für die Menschen in den Gebieten eine umso schlimmere. Trotz dieser Situation reisten viele der Lehrerinnen aus den Frauenprojekten und eine große Abordnung der Lehrer des Ausbildungszentrums und natürlich die Leiterin und Leiter aller Projekte zu unserem Treffen nach Mazar-e-Sharif. So konnten wir aus erster Hand hören, wie sich die Projekte in und um Andkhoi entwickeln. Nach dem Flüchtlingsansturm nach Andkhoi im Dezember/Januar, wo unsere MitarbeiterInnen tatkräftig Nothilfe leisteten, sind die meisten Familien nach Qurghan zurückgekehrt. Unser Frauenzentrum war nur für kurze Zeit geschlossen. Die Leiterin berichtete, dass sogar mehr Besucherinnen kämen als vorher. Hier können sich die Frauen austauschen und über die Probleme mit den Taliban frei reden.

 

Zeitweise und ganz nach Laune der örtlichen Taliban wurden den Schü-lerinnen ab Klasse 7 der Schulbesuch und auch der Computer- und Englischkurs untersagt, dann wieder empfohlen. Unsere Mitarbeiter hoffen, dass diese Situation bald ein Ende hat – spätestens nach den Wahlen im September. Beide Frauenzentren in Baghebustan und Andkhoi funktionieren gut und der Aufbau eines dritten Zentrums in dem nördlichen Distrikt Khancharbagh wird eifrig geplant – wir, und vor allem die Frauen dort, warten nur noch auf die Zusage von Misereor, die uns finanziell auch hier unterstützen wollen.

 

In Mazar hatten wir neben den vielen Gesprächen mit verschiedenen Gruppen auch Zeit, die zehn Schulen zu besuchen, die in das von uns geplante „Capacity-Building-Project“ einbezogen werden sollen. Alle diese Schulen sind von uns in den letzten Jahren gebaut worden. Sie haben SchülerInnen von der 1. bis zur 12. Klasse, die zumeist in 3 Schichten unterrichtet werden – in den 1. bis 3. Klassen gemischt, ansonsten getrennt nach Mädchen und Jungen. Kein Kind, das eine Schule besuchen möchte, wird abgewiesen. Schulgebühren werden nicht verlangt. So platzen die Schulen aus allen Nähten: 

 

 

Für 2000 bis 5000 Kinder den Unterricht zu organisieren bei (zumindest jetzt zum Schuljahresbeginn Ende März) noch fehlenden Lehrkräften und weitgehend fehlenden Schulbüchern ist ein riesiges Problem für die Schulleitungen. Sehr anerkennenswert waren die Leistungen besonders einiger Schulleiterinnen, aber auch einige Leiter gaben ihr Bestes. Die Behörden des Landes hatten Richtlinien erarbeitet, wie die Schule von der Gemeinde über die Schulentwicklungskomitees unterstützt werden sollte. Das funktioniert an manchen Schulen schon sehr gut – sogar mit gewählten Mitgliedern. Unser Büroleiter in Mazar, Mir Ahmad, hat mit allen schon Besprechungen gehabt, um sie über unser Projekt zu informieren: Im Herbst sollen Seminare für die Schulleitungen beginnen, die in einem für 18 Monate geplanten Beratungsprozess Hilfe bei ihrer schwierigen Arbeit bekommen sollen. Dazu gehören auch der Bau einiger Räume für den Computer- und naturwissenschaftlichen Unterricht. 

 

 

Die erste Schule, die wir in Mazar 2002 gebaut hatten, braucht nun dringend eine gründliche Renovierung und möglichst auch einen Zusatzbau für die Mädchen der Oberstufe. Der deutsche Konsul stellte dafür eine finanzielle Hilfe aus dem Kleinprojektefonds zumindest für die Renovierungsarbeiten in Aussicht – der Antrag wird vor Ort gestellt. In dieser Schule hatten wir auch viel Spaß mit den fröhlichen Kindern im von uns gebauten Kindergarten! So eine lockere, kindgerechte Atmosphäre wünschten wir anderen Kindergärten ebenfalls.

 

Wir hatten wieder einmal das Glück, den wachsenden Schulbau in Aibak, Distrikt Samangan, zu besuchen. Glück insofern, als wir dadurch wieder den Weg durch das zurzeit mit frischem Grün belebte gewaltige Gebirge machen konnten. 

 

 

Afghanistan könnte so ein wunderbares Reise-ziel sein, wenn endlich der nun schon rund 40 Jahre andauernde Krieg beendet wäre! Am buddhistischen Kloster in Aibak feierten hunderte Afghanen aus der ganzen Umgebung das Neujahrsfest mit einem Jahrmarkt, Kettenkarussell und Riesen- “rädchen“, Eierverkauf und Flötenmusik – ein fröhliches Fest, das auf friedlichere Zeiten hoffen lässt.

 

Natürlich erwarten die Mitarbeiter der Schulbehörden, dass wir sie bei weiteren Schulbauten unterstützen – der Bedarf ist im ganzen Land noch gewaltig! Um eine wirklich effektive Verbesserung des Unterrichts zu erreichen, wären noch viel mehr Klassenräume nötig, damit statt in drei oder vier Schichten nur noch in zwei Schichten unterrichtet werden müsste. Erst dann können alle Fächer ausreichend gelehrt werden. Wie gern würden wir sie noch stärker unterstützen – aber das kostet viel Geld!

 

In Sachen „Stadt- und Landbegrünung“ sind übrigens an allen Straßen und auf allen Schulhöfen offiziell und mit Privatengagement Bäumchen gepflanzt und Gärten angelegt worden – ein hoffnungsvolles Grün!

 

Noch eine erfreuliche Nachricht:

 

Die jungen und älteren Frauen in und um Andkhoi kommen mit großer Begeisterung weiterhin zu den Alphabetisierungskursen, die wir aus eigenen Spenden finanzieren. Da ist jeder Euro gut angelegt! Aus manchen dieser Kurse sind inzwischen Studentinnen verschiedener Fachrichtung hervorgegangen; eine Ehemalige leitet heute die Sportkurse im Fitnesscenter des Frauenzentrums in Andkhoi. Andere ehemalige Schülerinnen unseres Ausbildungszentrums baten uns um finanzielle Hilfe für ihr Studium in Mazar – sie bräuchten sie wirklich dringend!

 

Herzliche Grüße

Ihre Marga Flader und Tanja Khorrami

 

Spendenkonten:

Kontoinhaber: Afghanistan-Schulen e.V.

EthikBank: IBAN DE71 8309 4495 0103 0410 50

Hamburger Sparkasse: IBAN DE37 2005 0550 1008 2258 05

 

 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info@Afghanistan-Schulen.de