Vereinsgeschichte


 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. (früher: Verein zur Unterstützung von Schulen für afghanische Flüchtlingskinder e.V.) wurde 1984 von Frau Ursula Nölle gegründet. Seither ermöglicht der Verein afghanischen Jungen und Mädchen eine Schulbildung, zunächst in den Flüchtlingslagern in Pakistan und seit 1988 in Afghanistan.

 

 

Hurra, we are getting a school!

Ein Jahr zuvor auf einer privaten Reise zusammen mit ihrer Tochter hatte Ursula Nölle das Elend in den Flüchtlingslagern in Pakistan kennen gelernt. Dank der Sprachkenntnisse ihrer Tochter gewann sie unmittelbaren Zugang zu den Menschen in den Lagern, wo erste Schulen in Selbsthilfe entstanden. Frau Nölles Arbeit begann mit einer Mädchenschule in Peshawar, ein Projekt, das besonders wichtig war, da Mädchen kaum Bildungschancen hatten. Die engagierte, afghanische Lehrerin dort holte Mädchen mit einem Lastwagen aus einem Flüchtlingslager in ihr Privathaus, wo sie die Mädchen zusammen mit einer weiteren Lehrerin unterrichtete.

 

Es stellte sich bald heraus, dass Schulen direkt in den Lagern notwendig waren und so wurden erste Klassenräume in einfacher Lehmbauweise im Transitlager am Stadtrand von Peshawar (später Nawikili) gebaut. Diese und die anderen Schulen wurden regelmäßig mit den von Frau Nölle und dem Verein in Deutschland gesammelten Spendengeldern um neue Klassenräume erweitert.

Die Paschtunen, die nach Pakistan geflüchtet waren, erhielten Hilfe auch von vielen anderen Organisationen, die sich in den ersten Jahren nach dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion in Peshawar angesiedelt hatten. Schwerer hatten es dagegen die Usbeken aus dem Norden Afghanistans. Für diese Bevölkerungsgruppe, die im Lager Haripur in der Nähe von Islamabad lebte, baute der Verein eine Jungen- und eine Mädchenschule. Die Abu Muslim Ansari High School entwickelte sich zu einer herausragenden Schule und erhielt für die Leistungen eine Auszeichnung der UNESCO. Um zu verhindern, dass in dem Gebäude der Abu Ayub Schule im Lager Haripur eine Madrassa eingerichtet würde, übernahmen wir 1999 auch hier die finanzielle Unterstützung.

Nach der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan kam es wieder zu großen Flüchtlingsströmen nach Pakistan. Die bestehenden Lager waren bald überfüllt und so wurden neue Lager gegründet. Da unsere Schulen mittlerweile einen guten Ruf hatten, wurden wir wieder um Hilfe gebeten, jetzt im Jahre 1998 von UNHCR, dem Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen. Mit finanzieller Unterstützung von Care & Fair sowie der Deutschen Stiftung für UNO Flüchtlingshilfe konnten wir 1999 im Lager bei Akora Khattak und im Jahr 2000 im Lager Shamshatoo neue Schulen gründen. In Shamshatoo bauten wir außerdem Lehmhütten für die Flüchtlinge, die in selbstgemachten Zelten aus Stöcken und Plastikplanen hatten überwintern müssen. In unserer Nähstube lernten Witwen das Schneidern und in unserer Werkstatt lernten Behinderte zusammen mit gesunden jungen Männern das Knüpfen von Teppichen. Nach dem 11. September 2001 und den amerikanischen Angriffen gab es plötzlich wieder ein Interesse an Afghanistan und den Flüchtlingen und wir erhielten die finanziellen Mittel, um Stoffe für Schuluniformen zu kaufen und insgesamt 11.000 Kinder mit Schuhen zu versorgen.

Im Frühjahr 2002 besuchten ca. 3500 Jungen und Mädchen die Lagerschulen. Seither sind viele Flüchtlinge nach Afghanistan zurückgekehrt und die Schulen in den Lagern Akora Khattak, Shamshatoo und Haripur wurden geschlossen. Die Schule in Peshawar besteht weiter.

Während der Taliban-Herrschaft konnten wir in Zusammenarbeit mit
AG BAS-Ed, einer NRO, die die Projekte des Nothilfeprogramms der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) fortführte, in Asadabad und Watapur (Provinz Kunar im Osten Afghanistans) jeweils eine Mädchenschule bauen. Diese Schulen werden heute vom Staat betrieben.

 

Unsere Arbeit in Andkhoi und den umliegenden Dörfern im Nordwesten Afghanistans (Provinz Faryab) begann 1988 mit der Bitte einiger Mudjahedin Kämpfer, die uns aus den Flüchtlingslagern kannten, im Krieg zerstörte Schulen in ihren Heimatdörfern wieder aufzubauen. In Mirabad wurden zwei kleine Lehmgebäude für eine Dorfschule errichtet und in Dayakchakhana wurde für die Rahmatullah Shaheed Schule zusätzlich zu einem von der UN-Organisation Habitat gebauten ein weiteres Schulgebäude errichtet.

 

1993 wurden wir auf einen Rohbau aufmerksam gemacht. Hier hätte ein Mädchengymnasium entstehen sollen. Jetzt wuchs Gras auf dem Dach und die Räume konnten nicht genutzt werden. Mit finanzieller Unterstützung von „umverteilen!“, einer privaten Stiftung, konnten wir das große Schulgebäude fertig stellen. Bis zur Machtübernahme durch die Taliban wurden hier 1200 Mädchen von der 1. bis zur 12. Klasse unterrichtet.

 

Diese drei Schulen wurden mit Lehr- und Lernmitteln versorgt und die Lehrkräfte bezahlt. Danach wurde immer wieder die Bitte an uns herangetragen, auch die weiteren Schulen im Bezirk zu unterstützen. Es gab kaum Schulmaterial und die Lehrer mussten anderweitig Geld für den Unterhalt ihrer Familien verdienen. Deshalb hat Afghanistan-Schulen Anfang 1998 beschlossen, allen Lehrkräften und weiteren Angestellten der Schulen einen "Gehaltszuschuss" zu zahlen, bis der Staat wieder in der Lage ist, seinen Aufgaben gerecht zu werden. Außerdem haben wir in Pakistan Schulbücher drucken lassen und nach Andkhoi geschafft. Die Qualität des Unterrichts hat sich dadurch erheblich verbessert. Mit dem Einzug der Taliban im Herbst 1998 begann dann allerdings eine weitere sehr "dunkle Zeit", insbesondere für die Mädchen und Frauen. Die einzige Mädchenschule wurde geschlossen, aber im Dezember 2001 nach dem Fall der Taliban sofort wieder eröffnet. 800 der Mädchen waren in den von uns eingerichteten sog. Home Schools  in den Privathäusern ihrer Lehrerinnen weiter unterrichtet worden. Seither sind weitere 14 Mädchenschulen entstanden.

 

In den vier nördlichen Bezirken der Provinz Faryab besuchen jetzt (Stand Sept. 2012) 17.833 Mädchen und 24.011 Jungen die insgesamt 63 Schulen (15 Mädchenschulen, 34 Jungenschulen; an 14 Schulen werden Jungen und Mädchen unterrichtet.

 

Seit 2002 ist der Verein auch in Mazar-e-Sharif (Provinz Balkh) tätig. Wir halfen dem Schulleiter der Schulen im Lager Haripur und anderen Familien bei der Rückkehr nach Mazar-e-Sharif und finanzierten den Bau eines Schulgebäudes mit 10 Klassenräumen. Das Grundstück hierfür hatte die Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Für einige Jahre trugen wir sämtliche Kosten dieser Schule, bis der afghanische Staat hierfür die Verantwortung übernahm. Diese Schule wurde später aufgestockt, erhielt ein weiteres schönes Gebäude für einen Kindergarten und moderne Toiletten und eine Kläranlage. In Mazar-e-Sharif bauten wir fünf weitere große Schulgebäude sowie eine Dorfschule nördlich der Stadt Balkh.

 

Wegen der geschilderten Probleme im staatlichen Bildungssystems richteten wir außerdem verschiedene Kurse ein.  

 

Für weitere Einzelheiten s. abgeschlossene Projekte.

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info@Afghanistan-Schulen.de